Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_21 Ein Verkehrsunfall mit einem Gefahrgut-LKW, ein Chlorgasaustritt in einem Schwimmbad sowie eine Verpuffung in einem Kanalsystem - diese drei Szenarien hatten die Ausbilder der Werkfeuerwehr im Chemiepark Gendorf für eine 24-köpfige Gruppe aus dem Landkreis Forchheim vorbereitet. Neben diesen Übungen wurde auch ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten, unter anderem wurde die 2014 eingeweihte Wache der Werkfeuerwehr besichtigt.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_1 Gemäß dem Motto "Der frühe Vogel fängt den Wurm" starteten am Samstag, 11.06.2016 bereits gegen 5.30 Uhr insgesamt fünf Fahrzeuge mit 24 Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren Forchheim, Buckenhofen, Kersbach sowie der Werkfeuerwehr Infiana in Richtung Gendorf. Dort angekommen erwartete die Teilnehmer zunächst eine kurze Einweisung in das Gelände sowie die anstehenden Übungen.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_3 Kurz nach 11 Uhr erfolgte schließlich die erste "Alarmierung": Angenommen wurde ein Verkehrsunfall zwischen einem PKW und einem LKW, der mit Stückgut beladen war. Durch die eindeutige Kennzeichnung des LKW gewarnt ging zunächst ein Trupp unter Atemschutz zur Erkundung und Menschenrettung vor. Ob ein direkt neben der Unfallstelle abgestellter Bahnkesselwagen, der mit einem besonders gefährlichen Stoff beladen war, bei dem Unfall beschädigt wurde, war zunächst unklar. Parallel zum Aufbau eines dreifachen Brandschutzes (Wasser, Schaum, Pulver) wurde ein nahe gelegener Gulli abgedichtet, um ein Eindringen der austretenden Stoffe in die Kanalisation auszuschließen.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_6 Bei genauerer Überprüfung der Ladung stellte sich heraus, dass glücklicherweise "lediglich" ein Behälter mit Methanol undicht geworden war. Daraufhin wurde entschieden, einen Schaumteppich auszubringen, um die Brandgefahr zu minimieren. Das Leck des Behälters konnte mit einem Holzkeil abgedichtet werden.

Nach Abschluss dieser Übung und dem gemeinsamen Mittagessen in der Werkskantine wurden im Rahmen der Nachbesprechung einige kleinere Kritikpunkte angebracht, die in Zukunft noch verbessert werden können.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_11 Ein ebenfalls jederzeit auch in Forchheim denkbares Szenario war Gegenstand der nächsten Übung: Um 13.45 wurden die Einsatzkräfte zu einem Chlorgasaustritt in einem Schwimmbad alarmiert. Bereits bei Eintreffen war das austretende Chlorgas deutlich sichtbar, angeblich waren alle Personen evakuiert worden. Während ein erster Trupp unter Atemschutz zur Erkundung und Suche nach möglichen Verletzten vorging, rüstete sich ein zweiter Trupp bereits mit Chemikalienschutzanzügen aus, die ein Arbeiten auch direkt an der Unglücksstelle ermöglichen.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_17 Das weiterhin austretende Chlorgas wurde mit einem Strahlrohr niedergeschlagen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Die genauere Erkundung vor Ort wurde durch den starken Gasaustritt und die daher erheblich eingeschränkte Sicht erschwert. Das durch eine abgerissene Armatur entstandene Leck konnte auch mit Holzkeilen nicht zufriedenstellend abgedichtet werden. Daher wurde über das Gefahrgut-Netzwerk "TUIS" eine entsprechende Armatur zur Verfügung gestellt, die speziell für die Abdichtung von beschädigten Chlorgas-Behältern entwickelt wurde. Nach einer kurzen Einweisung in dieses Gerät und anschließender Montage konnte der Austritt endlich gestoppt werden. Ein weiterer Bestandteil dieser Übung war die sogenannte Dekontamination der Verletzten sowie der Einsatzkräfte, also die Reinigung von mit gefährlichen Stoffen verschmutzter Kleidung beziehungsweise Schutzausrüstung.

Auch hier waren die Ausbilder mit dem Verlauf der Übung sehr zufrieden und gaben im Anschluss wertvolle Hinweise, wie ein derartiges Szenario zukünftig noch effizienter abgearbeitet werden kann.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_20 Auch die dritte und letzte Übung an diesem Tag behandelte ein jederzeit auch in Forchheim denkbares Szenario: Bei Kanalarbeiten war es zu einer Verpuffung gekommen. Da zunächst unklar war, welcher Stoff die Verpuffung verursacht hatte, entschied der Einsatzleiter, auch hier einen ersten Trupp unter Atemschutz zur Erkundung und Menschenrettung einzusetzen, während sich gleichzeitig ein weiterer Trupp mit Chemikalienschutzanzügen ausrüstete. Vom ersten Trupp konnten zwei verletzte Bauarbeiter gerettet werden. Der zweite Trupp suchte unter anderem auch im Kanalsystem nach Hinweisen auf die eventuell frei gewordenen Stoffe. Gleichzeitig wurde mit dem Be- und Entlüftungsgerät das Kanalsystem entlüftet, um das Risiko einer weiteren Verpuffung oder Explosion zu minimieren und mögliche gefährliche Dämpfe mit dem Strahlrohr nieder geschlagen.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_24 Hier gab das Ausbilderteam im Anschluss hilfreiche Hinweise, die bei derartigen Einsätzen, unter anderem bei der Wahl der Schutzausrüstung sowie bei der Belüftung von Kanalsystemen, zu beachten sind.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_30 Nach diesen drei schweißtreibenden Übungen war eine kalte Dusche in der Feuerwache der Werkfeuerwehr eine willkommene Abkühlung. Anschließend wurde das Quartier in der Keltenhalle in Burgkirchen bezogen. Erst vor einigen Wochen fiel die Entscheidung, diese seit mehreren Jahren leerstehende ehemalige Eissporthalle zukünftig als Übungszentrum der Werkfeuerwehr zu nutzen. Die doch eher rustikale Umgebung tat der guten Stimmung, auch angesichts der erfolgreich absolvierten Übungen, keinen Abbruch. Die Kameraden der Werkfeuerwehr hatten dort bereits ein umfangreiches Abendessen vorbereitet und berichteten unter anderem von ihrem Arbeitsalltag bei der Werkfeuerwehr. Gegen 23 Uhr siegte dann aber doch die Müdigkeit und es kehrte Nachtruhe ein.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_31 Am nächsten Morgen folgte die Gruppe nach einem ebenfalls von der Werkfeuerwehr organisierten Frühstück noch der Einladung, die erst vor zwei Jahren eingeweihte Feuerwache sowie die umfangreiche Spezialausrüstung zu besichtigen. Hier erhielten die Kameraden noch einmal einen sehr interessanten Einblick in den täglichen Ablauf der Kollegen und auch die zahlreichen Besonderheiten und Gefahren eines Chemieparks.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_33 Gegen 11 Uhr traten die 24 Aktiven schließlich die vierstündige Heimreise an. Zurück in Forchheim wurden noch die eingesetzten Gerätschaften ausgetauscht und alles auf Vordermann gebracht. Gegen 16 Uhr war diese außergewöhnliche Übung schließlich beendet.

Gefahrgutübungen Chemiepark Gendorf 11.06.2016_34 An dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank an die Werkfeuerwehr des Chemieparks Gendorf für die Vorbereitung der Übungen und die optimale Betreuung während des Wochenendes sowie an KBM Willi Kupfer und Burkard Baumgärtner für die Organisation dieser außergewöhnlichen Ausbildungsfahrt!